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Filmpraktische Tipps
Junge Filmszene im BJF

Filmpraktische Tipps

4.4.2 Struktur einer Geschichte

Der dramatische Aufbau von klassischen Theaterstücken ebenso wie von neuen Hollywoodfilmen geht im Grunde auf die Poetik des Aristoteles zurück. Dieser legte für das antike Drama eine Grundstruktur und Stilmittel fest, mit deren Hilfe eine optimale Wirkung beim Zuschauer zu erzielen ist.

STRUKTUR
Vereinfacht spricht er von Einführung (Exposition), Hauptteil/Wende (Peripetie) und Schluß (Katastrophe), wobei dies sowohl ein tragisches als auch glückliches Ende bedeuten kann).

EINFÜHRUNG:
Um nun eine Geschichte zu erzählen, ist es sinnvoll, zu Beginn die verschiedenen Figuren und Schauplätze einzuführen, damit der Zuschauer weiß, mit wem er es in der Geschichte zu tun hat, und damit er die "normalen" Zustände in der Umwelt der Figuren kennenlernt. Eine gute Möglichkeit hierfür ist es zum Beispiel, eine Figur in einer alltäglichen Situation zu zeigen, in der man etwas über ihre Persönlichkeit erfährt. Man kann natürlich auch auf diese Einführung verzichten, sofort in die Geschichte einzusteigen und dem Zuschauer bestimmte Informationen zunächst vorenthalten. So kann man Spannung aufbauen - doch riskiert man auch, den Zuschauer zu verwirren.

In der ersten Szene von JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES wird die Rivalität zwischen Indy Jones und seinem Konkurrenten sehr deutlich dargestellt.
Die aktionsreiche Szene ist nicht nur spannend, sondern vermittelt auch sehr viele Informationen: zwischen den beiden Archäologen herrscht seit Jahren eine Rivalität; der eine ist ein Abenteurer und Einzelgänger, der andere zieht es vor, zu delegieren und arbeiten zu lassen. Außerdem leidet Jones Held unter einer Schlangenphobie. Auf alle diese Informationen wird im Verlauf der Geschichte immer wieder verwiesen.


HAUPTTEIL / WENDE:
In den meisten Geschichten gibt es Figuren, die unterschiedliche Interessen haben. Wenn diese Figuren aufeinander treffen, so entstehen Konflikte. Ein Konflikt ist die Grundlage jeder dramatischen Entwicklung und bringt die Geschichte in Bewegung, der Hauptteil der Geschichte beginnt. Dadurch, daß jetzt jede der Figuren versucht, ihre Interessen durchzusetzen, ergibt sich eine dramatische Zuspitzung der Konflikte (die sog. steigende Handlung). Wenn am Anfang der Geschichte noch eine heile Welt dargestellt wurde, so entfernt man sich in ihrem Verlauf immer mehr davon. Diese Entwicklung gipfelt in der Wende, die zum dritten Teil führt:

SCHLUSS:
Die Wende leitet die Lösung des Konflikts ein, wobei man grundsätzlich zwischen einer glücklichen Lösung (in der Komödie) und einer tragischen (in der Tragödie) unterscheidet. Die Lösung ist meistens die logische Konsequenz aus den Entwicklungen im Hauptteil.

Gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend