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Junge Filmszene im BJF

1.2.19

Silver, Bauer, Schimberg, Aksornsawang, Bussmann, Samaras – Das Filmprogramm der 5. Woche der Kritik ist komplett


Für ein Kino der weichen Bilder und Matriarchinnen. Für den Charme des Taktlosen. Für den Widerstand gegen das Verschwinden. Für das Licht im Dunkeln. Für wahnwitzige Filmfantasien. Die fünfte Woche der Kritik lässt Filme in sieben Programmen aufeinandertreffen, um Diskussionen über die Möglichkeiten des Kinos zu schaffen.

In "The Great Pretender" inszeniert Nathan Silver eine träumerisch weichgezeichnete Reise in die Seelen junger Liebender in Brooklyns Kunstszene, zwischen Spiel und Inszenierung, Geschlechtern und Gattungen. Silver ("Uncertain Terms") bleibt sich treu und verteidigt mit einem dynamischen Ensemble um Esther Garrel ein unabhängiges US-Kino des freien (Schau-)Spiels, das sein Formbewusstsein immer wieder überraschend ausstellt. Sein Film gerät an einem Abend über einfallsreiches Kino und die Privilegien des Filmemachens in Verstrickungen mit einem Kurzfilm: Lucia Margarita Bauer demonstriert mit "Maman, Maman, Maman" einen exzentrischen Erfindungsreichtum. In ihrem Filmessay interessiert sie sich für die Unmöglichkeit objektiver Biografien und erzählt von ihrer Großmutter, die tiefe Spuren im Weltbild ihrer Kinder und Kindeskinder hinterlässt.

Aaron Schimberg ("Go Down Death") weiß, dass weder die Gesellschaft noch das Kino diskriminierungsfreie Räume sind. Sein neuer Film "Chained for Life" funktioniert jedoch nicht als Abrechnung, sondern beinahe als Überwindung der Filmindustrie. Der taktlose Charme des Exploitationkinos taugt ihm in seiner Hommage an Tod Brownings Klassiker "Freaks" als Folie für scharfe Kommentare auf die politische Gegenwart der US-Gesellschaft. Worte der Filmritikerin Pauline Kael führen in einen Film über die Schrecken der Naivität und die notwendige Kraft zur Auflehnung gegen dominante Erscheinungsbilder.

Bei "Nakorn-Sawan", dem Debüt der thailändischen HFBK-Absolventin Puangsoi Aksornsawang, ist nichts, wie es scheint. Eine junge Künstlerin reist mit der Kamera nach Thailand, um ihre Familie zu betrachten, ihre Kultur und Ideen von Heimat. Bald stellt sich heraus, dass das Dokumentarische zum Spiel geworden ist, bei dem die Regisseurin in geduldig gefilmten Einstellungen Lebenswege hinterfragt. Ein souveränes, doppelbödiges Werk, das gemeinsam mit Gürcan Kelteks Experimentalfilm "Gulyabani" gezeigt wird – an einem Abend, der dem Kino als Widerstand gegen das Verschwinden nachforschen soll.

Andrea Bussmann ("Tales of Two Who Dreamt", gemeinsam mit Nicolás Pereda) ist studierte Anthropologin. Für "Fausto" filmt sie aufmerksam Menschen und Tiere an der mexikanischen Küste, hebt die Trennung zwischen ihnen auf, sucht nach Wildheit und Ritualen, nach unsichtbaren und unmöglichen Bildern an der Grenze zur Dunkelheit. Uns interessiert, wie ihr Film sich zum ethnographischen Dokumentarfilm verhält und warum es entgegen westlich-moderner Erkenntnistheorien wichtig sein kann, manchmal im Dunkeln zu tappen.

Mit "Magic Skin" begrüßen wir bei der Woche der Kritik einen ehemaligen Kritiker-Kollegen, der ins Regiefach gewechselt ist. Konstantinos Samaras adaptiert Balzacs gleichnamigen Roman und schickt einen jungen Schriftsteller auf eine wahnwitzige Reise an den Rand des Überlebens. Sein Film stellt sich der absurden Welle des griechischen Kinos mit einer stilsicheren Handschrift entgegen, zieht Verbindungslinien zum Kino-Anarchisten Nikos Panayotopoulos

Die 5. Woche der Kritik findet vom 6. bis 14. Februar 2019 statt. Das Filmprogramm startet am Donnerstag, 7. Februar im Hackesche Höfe Kino.

Gäste unter 25 Jahren zahlen nur 5€ Eintritt.

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