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Filmpraktische Tipps
Junge Filmszene im BJF

Filmpraktische Tipps

4.4.7 Dialoge schreiben

WOZU DIENEN DIALOGE ?
Die Dialoge dienen in erster Linie dazu, Informationen an die Zuschauer weiterzugeben, die nicht durch Handlungen ausgedrückt werden können. Das Medium Film ist visuell, und darum sollte man so viel wie möglich durch Handlungen vermitteln, doch ist es oft schwer, bestimmte Gedanken oder Gefühle von Figuren ohne Worte eindeutig rüberzubringen.

DIALOGE SCHREIBEN / ENTWICKELN
Dialoge übermitteln in erster Linie Informationen. Darum ist es sinnvoll, die Dialoge zuerst schematisch zu skizzieren und sich (wie in einer Erörterung oder Diskussion) lediglich die Argumente bzw. Informationen aufzuschreiben, die in einer Szene vermittelt werden sollen. Erst wenn dieses "Dialogskelett" fertig ist und funktioniert, sollte man anfangen, die Texte auszuformulieren.

NATÜRLICHE AUSDRUCKWEISE
Es ist nicht immer leicht, einen Dialog so zu formulieren, dass er natürlich und wie ein echtes, spontanes Gespräch wirkt. Wenn man über einem Blatt Papier sitzt, und versucht, Dialoge auszuarbeiten, so kommt man oft nicht besonders weit damit, weil das Schreiben so viel länger als das Sprechen dauert. Ein Tipp hierfür: Einfach die Dialoge mit sich selbst sprechen und auf Kassette aufnehmen. Das kann man immer wieder versuchen und dabei so lange variieren, bis man die richtige Ausdrucksweise gefunden hat.

DIALOGE FESTLEGEN VS. IMPROVISIEREN
Ob die festgelegten Dialoge wirklich natürlich wirken, merkt man häufig erst dann, wenn eine Szene von Schauspielern wirklich durchgespielt wird. Zudem entwickeln viele Schauspieler eine eigene Vorstellung davon, wie etwas gesagt werden könnte. Man sollte für Änderungen bei Proben oder sogar noch am Drehort immer offen sein.

DIALEKT VS. HOCHDEUTSCH
Gerade der deutsche Film scheut sich sehr davor, Dialekt zu verwenden. Wenn doch, dann immer mit einem bestimmten Zweck. Die Dialekte erzeugen bei den Zuschauern meistens sehr eindeutige Gefühle oder Gedanken (ausser bei denen, die diesen Dialekt selbst sprechen). So ist der einzige Dialektsprecher in DER BEWEGTE MANN ein Schwabe. Diese Figur ist als lächerlich-liebenswürdig angelegt. Der Dialekt transportiert sehr viel von diesen Gefühlen. Eine bayerische Aussprache hat oft etwas uriges, während eine sächsische Färbung alle bekannten Klischees über die "Ossis" heraufbeschwört. Der Dialekt dient aber auch zur geographischen Lokalisierung einer Geschichte, und kann ihr mehr Authentizität verleihen.


DIALOG VS HANDLUNG
Auch sollte man sich überlegen, welche Infomationen man in die DIALOGE packt, und welche man eher durch Handlungen ausdrückt.
Gerade im Medium Film kann man mit Kameraeinstellung und Perspektive die Aufmerksamkeit auf Details lenken, die genauso viel ausdrücken wie Worte.
Hitchcock sagte einmal, er versuche so wenig Dialog wie nur möglich zu verwenden. Viele seiner Filme sind extrem "filmisch" und kommen minutenlang ohne Dialoge aus. (In den Szenen von VERTIGO, in denen Kim Novak von James Stewart beschattet wird, ist der Blickwinkel des Beobachters identisch mit dem der Kamera. Der Zuschauer versteht die Dinge, die er sieht, auf dieselbe Weise wie er. )


 


Bis Ende 2014 pflegte die Junge Filmszene im BJF hier ein Wiki mit vielen filmpraktische Tipps. Manche dieser Tipps und Tricks haben bis heute ihr Gültigkeit behalten, deswegen ist diese Seite weiterhin online. Viel Spaß beim Stöbern.

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