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Filmpraktische Tipps
Junge Filmszene im BJF

Filmpraktische Tipps

3.3 Trickfilm (Animationsfilm)

Der Trickfilm oder die Animation ist wie kein anderes Filmgenre dazu geeignet, sich für Bewegungen und Rhythmen im Film ein Gefühl anzueignen. Sehr genau muss man sich damit auseinandersetzen, wie eine Bewegung abläuft, wo sie sich beschleunigt, wo sie innehält, wo sie sich verlangsamt und wo sie ganz zum Stillstand kommt. Allein das Fallen eines Blattes ist ein komplexes Hin und Her aus all diesen Bewegungskomponenten. Probier einfach nur einmal, diese Bewegung mit der flachen Hand nachzuempfinden, um einen Eindruck zu bekommen.

Die zweite charakteristische Eigenheit des Animationsfilms liegt in der Einfachheit,
mit der man Übertreibungen erreichen kann. Anders als beim Realfilm ist es ein Leichtes, einem Knetmännchen die Nase lang wachsen und wieder schrumpfen zu lassen. Und das sollte der Animateur ausnutzen.
So entscheidet im optimalen Fall die gewünschte Bewegung und Übertreibung über die Wahl der Animationstechnik.
Soll dem Storch vor Habgier bspw. der Schnabel wegfliegen, spricht das für einen Legetrick, bei dem Schnabel, Kopf, Körper und Beine aus einzelnen, voneinander unabhängigen Teilen bestehen.

Das Schöne am Animationsfilm ist, dass sich grundsätzlich alles animieren läßt. Der Zeichentrickfilm ist da nur die populärste Form. Mit etwas Fantasie lassen sich immer wieder neue, interessante Materialien für die Animation finden.
Die bekannten Basistechniken sind:
Zeichentrick, Legetrick, Puppentrick, Knetanimation und Realanimation.
Weniger bekannt, aber sehr reizvoll sind bspw. Techniken wie:
Ölfarbe auf Glas, Sandanimation, Kratzanimation auf Filmmaterial, Kratzanimation auf mit Farbe präparierten Gipsplatten.
Aber auch Wollfäden, Naturmaterialien, Drahtgestelle, Figuren aus Papierservierten, Zündhölzer oder sonstige Gegenstände lassen sich animieren.

DIE BEWEGUNGSPHASE
Film hat bekanntlich 24 Bilder/Sekunde, Video 25 bzw. 50 Halbbilder/Sekunde.
Eine Film-Minute besteht also aus 1440 Einzelbildern bzw. 1500 Videobildern. Durch diese Geschwindigkeit, mit der die Bilder über die Leinwand flimmern, wird das träge menschliche Auge ausgetrickst. Wir sehen keine stehenden Einzelbilder mehr, sondern nehmen eine flüssige Bewegung wahr.
Bis zu 8 Bilder/Sekunde kann man die Geschwindigkeit des Films herunterschrauben, um das Auge immer noch zu überlisten. Um eine fließende Bewegung in der Animation zu erzielen, müssen also mindestens 3 Bilder pro Bewegungsphase aufgenommen werden.
Die klassische Bewegungsphase arbeitet jedoch mit 2 Bildern/Phase. Eine Animation hat also durchschnittlich 720 Bilder pro Minute.

TRICKTISCH
Ein Tricktisch besteht aus:
einer Arbeitsplatte, die in 2 Achsen motorisch beweglich ist, oft mit Rückprojektionsmöglichkeit,
einer Halterung für die Kamera,
einer Halterung für das Licht.

MODELLAUFNAHMEN
Bei verkleinerten Nachbildungen ist die Bildfrequenz zu erhöhen.
Bei vergrößerten Nachbildungen ist die Bildfrequenzzu veringern.
Die Bildfrequenz kann folgendermaßen ermittelt werden:
Bildfrequenz = Normalfrequenz x 1/ Maßstab

LICHT
Beim Trickfilm ist konstantes Licht besonders wichtig; es muss also Kunstlicht eingesetzt werden.

KAMERA
Zur Herstellung eines Trickfilms werden Einzelbilder aufgenommen. Dazu ist die gute alte Super 8 Kamera sehr gut geeignet. Die Kamera muss natürlich über eine Einzelbildschaltung verfügen. Ein Trip über einen Flohmarkt lohnt da manchmal.
Besser ist natürlich 16-oder 35mm- Film, wegen des besseren Bildstandes.
8 und 16mm Schwarzweiß-Negativfilm kann man auch selbst entwickeln.
Im Amateursektor gibt es kaum eine Alternative zu Super 8.
Ein spezielles Problem bei Sucherkameras ist die Paralaxe, also die Abweichung von Sucher und aufgenommenem Filmbild.

VIDEO ist für Animationsfilme ungeeignet, da es systembedingt Halbbilder aufnimmt. Komfortabel arbeiten kann man in der Videowelt nur rechnergestützt. Die Wahl der Kamera ist dabei beliebig, sofern nicht eine bestimmte Qualität erzielt werden soll. Für den PC gibt es analoge (AV) und digitale (DV) Videokarten die zusammen mit entsprechender Software die Nachbearbeitung ermöglichen.

DIGITALE FOTO KAMERAS
Für Minimalisten und solche, die es nur mal probieren wollen, eignen sich digitale Kameras mit einer Animationsfunktion im Menü. Nachteil: Bislang nehmen Kameras, die das können, vier Bilder pro Bewegungsphase auf, wodurch die Animation nie ganz ruckfrei läuft.

KAMERABEWEGUNGEN
Bei Tricktischen bewegt sich üblicherweise nicht die Kamera, sondern die Arbeitsplatte, der Effekt ist aber derselbe.

MOTION CONTROL
Motion Control bedeutet Computersteuerung der Kamera.
Am Stativkopf sind Sensoren und Motoren eingebaut, mit denen die Kamera bewegt werden kann. Mit Motion Control lässt sich eine Kamerabewegung entweder supergenau wiederhohlen oder von Anfang an am Computer programmieren.
MOTION CONTROL wird viel im Modelltrick eingesetzt.
Der Flug durch die Tunnel der Todessterne in Star Wars war z.B. ein Motion Control-Modelltrick.






 


Bis Ende 2014 pflegte die Junge Filmszene im BJF hier ein Wiki mit vielen filmpraktische Tipps. Manche dieser Tipps und Tricks haben bis heute ihr Gültigkeit behalten, deswegen ist diese Seite weiterhin online. Viel Spaß beim Stöbern.

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