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25. Internationales Bremer Symposium zum Film

06.05.2020 bis 09.05.2020
Ort: Bremen, City 46
Festival-Niveau: Semiprofi
Ausschreibung: International
Anmeldeschluss:
Alter: - bis -

Internationales Bremer Symposium zum FilmBeschreibung:
Call for Papers

2020 legt das Filmsymposium seinen Fokus auf das Verhältnis von psychischer Erkrankung und Film. In ihren Bestimmungsversuchen von psychischen Krankheiten greifen die medizinischen und gesellschaftswissenschaftlichen Fachdisziplinen auf Differenzierungen, Abgrenzungen und Fremdbeschreibungen zurück und charakterisieren Krankheit als Mangel, Abweichung und als zu verbessernden Zustand. Filme können hingegen diese normativen und stigmatisierenden Mechanismen subtil hinterfragen und machen gleichzeitig erfahrbar, was es bedeutet, psychisch erkrankt zu sein. Das Kino trägt so zu einer kritischen Reflexion der medizinischen Diskurse bei und entfaltet gleichzeitig Perspektiven auf subjektive Krankheitserfahrungen. Das Filmsymposium lädt internationale Fachleute und Filmema-cher*innen zur Diskussion über das Verhältnis von psychischer Erkrankung und Film ein. Im Zentrum der Konferenz steht die Frage, ob und wie Film und Kino eine Ästhetik psychischen Krankseins artikulieren und modellieren.
Filmische Motive psychischer Erkrankungen gehen über den Endlichkeitstopos, den das somatische Krankheitsnarrativ mit sich bringt, hinaus – ja sie kehren ihn sogar ins Gegenteil um – und thematisieren Erfahrungen der Krise, des Verlusts und Verlorenseins sowie einen sich ändernden Bezug zum Körper. Im Film können verschiedenartige Eindrücke von zeitlicher, räumlicher und logischer Kohärenz sowie von veränderter Selbst- und Umweltwahrnehmung, die mit psychischer Erkran-kung einhergehen, in ihrer Komplexität artikuliert und erfahrbar gemacht werden. Es liegt daher nahe, nicht nur den Kopf als den zentralen Ort zu verstehen, an dem sich psychische Erkrankungen abspielen und ihre Wirkkraft entfalten, sondern auch das Kino als einen Ort, an dem eine Ästhetik psychischer Differenz greifbar wird.

Das Kino entstand aus dem gleichen Versprechen des technischen Fortschritts wie Neuerungen der Medizin- und Kriminaltechnik. Es handelt sich um eine Geschichte des Sichtbarmachens und der Kategorisierung. Die Medizin hat in diesem Zuge Ordnungssysteme entwickelt wie die Internationa-le Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme (ICD), die u.a. auch psychische Erkrankungen definieren soll. Die Geschichte von durchaus strittigen Klassifizierungen wie z.B. der Hysterie zeigt zum einen jedoch, dass sich Bestimmungsversuche als Fehldefini-tionen erweisen können, und zum anderen, dass die Systematik und ihre Bewertungsgrundlagen das Ergebnis historischer sowie sozio-kultureller – und damit veränderbarer – Umstände sind. Ebenso kann eine historische Perspektive an den vermeintlichen Krankheitsbildern auch politische und gesellschaftliche Machtverhältnisse nachzeichnen. Insofern gilt es auch bei der Erstellung, Definition und Klassifikation von Krankheits-Bildern diese Prozesse und Entstehungskontexte mitzudenken und kritisch zu hinterfragen. Der Film (und die Künste) eröffnen einen Zugang zu diesen Referenzrahmen, ohne auf Pathologisierungen zurückgreifen zu müssen.

In den vergangenen 35 Jahren hat eine filmwissenschaftliche Perspektive dazu beigetragen, psychische Erkrankungen im Film unabhängig von klinischen Definitionen als medial organisierte Gefüge zu verstehen. Anstelle von Pathologisierungen und Repräsentationskritik werden Möglichkeiten des fiktionalisierenden, autobiographischen, dokumentarischen und essayistischen Erzählens von psychischer Erkrankung unter ästhetischen, diskursanalytischen und konstruktivistischen Aspekten befragt. Das rezente Forschungsfeld der Visual Medical Humanities vertieft zudem die Diskussi-on über weitere Schnitt- und Reibungsflächen zwischen medizinischen und gesellschaftswissenschaftlichen Theorien und erkundet in diesem Zusammenhang auch den Stellenwert visueller Praktiken.

Das 25. Internationale Bremer Symposium zum Film versteht sich als Forum, das unterschiedliche theoretische und methodologische Ansätze zum Thema „Kopf/Kino: Psychische Erkrankung und Film“ in seiner Vielfalt zusammenbringt. Ziel ist es, die Diskussion darüber zu vertiefen, wie Film und Kino das gesellschaftliche Verständnis von psychischen Erkrankungen beeinflussen und als Experimentierfeld und Reflexionsort dienen, um die Konstruktion von Krankheit zu formieren und zu informieren, aber auch kritische wie affirmative audiovisuelle Diskurse auszubilden.

Internet: www.uni-bremen.de/film/filmkultur/filmsymposium/aktuelles-filmsymposium/

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Gefördert vom

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend